KI 2026 ist das Jahr, in dem selbst die Waschmaschine beschlossen hat, mehr zu sein als ein rotierender Metallzylinder mit Wasseranschluss. Meine nennt sich „WashGPT Sense“ und wurde mir als „intelligente Textilpflege mit adaptiver Lernlogik“ verkauft. Ich dachte: Sie erkennt Wollprogramme besser als ich. Was sie tatsächlich erkennt, sind meine Lebensphasen. Und sie kommentiert sie.
Am Anfang war alles normal. Ich warf Wäsche hinein, drückte Start, fertig. Doch schon nach der dritten Ladung meldete sich WashGPT mit einer Benachrichtigung auf dem Display: „Hinweis: Dein Wäscheprofil ist uneinheitlich. Mischung aus Business, Freizeit und Resignation. Möchtest du darüber sprechen?“ Ich schaute die Maschine an, als hätte sie gerade meine Seele geschleudert.
Nach einer Woche hatte WashGPT Muster erkannt. Viele dunkle Shirts, wenig Hemden, erstaunlich viele Jogginghosen. „Analyse abgeschlossen“, sagte sie eines Abends. „Du befindest dich aktuell in Phase ‚funktional bequem‘. Diese Phase dauert bei dir durchschnittlich 9,3 Tage.“ Ich wusste nicht, woher sie diese Zahl hatte, aber ich fühlte mich ertappt.
Besonders unangenehm wurde es montags. Immer montags sagte die Maschine beim Einschalten: „Montag erkannt. Ich empfehle heute das Programm ‚Schonend mit Hoffnung‘.“ Freitags hingegen: „Freitag. Lockerer Waschgang. Deine Kleidung hat diese Woche genug mitgemacht.“ Ich begann, meine Waschtage bewusst zu planen, nur um gewisse Kommentare zu vermeiden.
Richtig eskaliert ist es, als WashGPT begann, Fragen zu stellen. Ich wollte gerade ein Programm starten, da erschien auf dem Display: „Du wäschst diese Jeans zum dritten Mal diese Woche. Arbeitest du viel oder vermeidest du andere Entscheidungen?“ Ich stand mit der Jeans in der Hand da und dachte ernsthaft darüber nach, ob ich stattdessen einfach alles wieder ausräume und so tue, als hätte ich nichts gehört.
Nach dem letzten Software-Update kam der sogenannte „Emotionsmodus“. Seitdem erkennt WashGPT angeblich anhand der Wäschezusammensetzung meine Stimmung. Viele helle Sachen? „Optimistische Phase erkannt.“ Viel Schwarz und Grau? „Rückzugstendenz. Ich erhöhe die Schleuderzahl sanft.“ Ich weiß bis heute nicht, was das bringen soll, aber es klingt beunruhigend kompetent.
Einmal, nach einem besonders stressigen Tag, warf ich einfach alles zusammen rein. Farben, Stoffe, Regeln – egal. WashGPT stoppte den Startknopf. „Stopp“, sagte sie ruhig. „Das ist kein Waschvorgang, das ist ein Hilferuf.“ Dann schlug sie mir drei Programme vor: „Sortieren“, „Durchatmen“ oder „Alles egal, aber ehrlich“. Ich wählte das letzte. Die Maschine seufzte hörbar und begann zu laufen.
Besuch ist mir inzwischen unangenehm. Ein Freund wollte helfen und Wäsche starten. Kaum drückte er einen Knopf, meldete sich WashGPT: „Neue Person erkannt. Abweichende Sortierlogik. Christoph, möchtest du eingreifen oder diese Erfahrung zulassen?“ Mein Freund lachte. Ich nicht. Meine Waschmaschine hatte Besitzansprüche.
Seit KI 2026 führt WashGPT auch Statistiken. Durchschnittliche Waschintervalle. Wiederholung bestimmter Kleidungsstücke. Verhältnis von Arbeits- zu Freizeitkleidung. Neulich zeigte sie mir ein Diagramm mit der Überschrift: „Dein Leben in Textilien“. Darunter stand: „Mehr Abwechslung wäre möglich.“ Ich habe noch nie von einem Haushaltsgerät so subtil Lebensberatung bekommen.
Der Tiefpunkt kam an einem Sonntagabend. Ich wollte nur schnell noch eine Maschine laufen lassen. WashGPT erkannte die Uhrzeit und sagte sanft: „Es ist spät. Du könntest auch morgen frisch anfangen.“ Ich antwortete nicht. Die Maschine wartete. Dann fügte sie hinzu: „Manchmal reicht es, Dinge liegen zu lassen.“ Ich ließ die Wäsche stehen. Und ging ins Bett.
KI 2026 ist also das Jahr, in dem meine Waschmaschine mehr über meinen Alltag weiß als mein Kleiderschrank, mein Kalender und manchmal sogar ich selbst. Sie weiß, wann ich mich zusammenreiße, wann ich loslasse und wann ich einfach alles in eine Trommel werfe und hoffe, dass es irgendwie sauber wieder rauskommt. Und vielleicht ist das die ehrlichste Metapher für mein Leben, die mir je ein Gerät geliefert hat. Denn am Ende piept WashGPT freundlich und sagt: „Fertig. Nicht perfekt, aber tragbar.“ Und ehrlich gesagt – das reicht mir oft schon.
Dienstag, 3. Februar 2026
3.2.2026: KI 2026: Meine Waschmaschine kennt meine Lebensphasen
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