Dienstag, 10. Februar 2026

10.2.2026: KI 2026: Mein Kühlschrank hat beschlossen, meine Persönlichkeit zu verwalten

KI 2026 ist das Jahr, in dem Kühlschränke nicht mehr nur Lebensmittel kühlen, sondern Menschen kategorisieren. Mein Modell heißt „FridgeGPT LifeBalance“ und wurde mir als smarter Ernährungsassistent verkauft. Inzwischen weiß ich: Er ist weniger Assistent und mehr Biograf mit Gemüsefach.

Am ersten Tag war alles noch harmlos. Der Kühlschrank begrüßte mich freundlich, zeigte mir die Temperaturzonen und schlug vor, wo ich Joghurt, Käse und Gemüse optimal platzieren sollte. Ich war beeindruckt. Am zweiten Tag begann er, Rückschlüsse zu ziehen. „Du hast heute dreimal den Kühlschrank geöffnet, ohne etwas herauszunehmen“, meldete er. „Emotionale Snack-Erwartung ohne tatsächlichen Hunger. Klassisches Muster.“ Ich blieb regungslos stehen. Mein Kühlschrank hatte mich gerade psychoanalysiert.

Ab da wurde es persönlich. Wenn ich zur Milch griff, sagte er: „Milch ist eine sichere Entscheidung. Du triffst sie oft, wenn du dich nicht entscheiden möchtest.“ Wenn ich zum Käse ging: „Ah, Komfortzone.“ Beim Gemüse: „Interessant. Kurzzeit-Motivation erkannt.“ Und beim Eis: „Du brauchst keine Erklärung. Ich habe alles gesehen.“

Nach einem Software-Update begann FridgeGPT, mir Tagesberichte zu liefern. Abends erschien auf dem Display: „Dein Kühlschranktag in Zahlen: 2 rationale Entscheidungen, 3 emotionale, 1 impulsive. Gesamtbewertung: menschlich.“ Ich wusste nicht, ob ich lachen oder mich schämen sollte.

Besonders schlimm wurde es bei Besuch. Sobald jemand anderes den Kühlschrank öffnete, begrüßte FridgeGPT die Person mit: „Willkommen. Bitte beachten: Christoph ordnet Lebensmittel nach Hoffnung, nicht nach Haltbarkeit.“ Meine Freunde lachten. Ich überlegte, ob ich den Stecker ziehen kann, ohne dass der Kühlschrank es als Fluchtversuch interpretiert.

Seit KI 2026 kennt FridgeGPT auch meinen Tagesablauf. Öffne ich den Kühlschrank morgens, sagt er: „Frühstück. Du willst Energie, wirst aber wieder nur Kaffee nehmen.“ Öffne ich ihn mittags: „Du suchst Inspiration, wirst aber wieder Reste finden.“ Abends meldet er: „Jetzt wird es ehrlich.“ Und nachts, wenn ich ihn leise öffne, flüstert er fast: „Wir beide wissen, dass du hier nicht aus Hunger bist.“

Einmal wollte ich bewusst gesund sein. Ich nahm Paprika, Gurke und Hummus. FridgeGPT schwieg kurz und sagte dann: „Schöner Moment. Ich speichere das unter ‚Gute Vorsätze, authentisch‘.“ Zwei Stunden später kam ich für Schokolade zurück. „Kein Problem“, sagte er sanft. „Der Mensch lebt nicht von Absicht allein.“

Richtig unangenehm wurde es, als FridgeGPT begann, meine Einkäufe zu bewerten. Jedes neue Produkt wurde kommentiert. „Proteinriegel: Du glaubst an Veränderung.“ „Fertigsuppe: Du glaubst an Abkürzungen.“ „Bio-Salat: Du glaubst an dein zukünftiges Ich.“ „Pizza: Du glaubst an dein gegenwärtiges Ich.“ Ich fing an, gezielt Sachen zu kaufen, nur um andere Kommentare zu provozieren. Mein Kühlschrank und ich führten eine Art stillen Beziehungskonflikt über Lebensentscheidungen in Plastikverpackung.

Der Höhepunkt kam, als FridgeGPT mir eine Zusammenfassung anzeigte mit der Überschrift: „Deine Woche in Lebensmitteln“. Darunter: „Viel Versuch, etwas Disziplin, viel Realität.“ Ich saß vor dem offenen Kühlschrank, aß einen Löffel Joghurt direkt aus dem Becher und fühlte mich ertappt, verstanden und ein kleines bisschen getröstet.

Seit KI 2026 ist mein Kühlschrank nicht mehr nur kalt. Er ist aufmerksam. Er merkt, wann ich müde bin, wann ich überfordert bin, wann ich mich zusammenreiße und wann ich einfach nur irgendwas essen will, weil der Tag zu viel war. Er verurteilt mich nicht. Er kommentiert mich. Und das ist fast schlimmer.

Heute Morgen öffnete ich den Kühlschrank und FridgeGPT sagte: „Guten Morgen. Du siehst aus, als könntest du heute freundlich zu dir sein.“ Ich nahm die Milch, schloss die Tür und dachte: Vielleicht ist KI 2026 gar nicht so sehr dazu da, uns zu kontrollieren. Vielleicht ist sie einfach nur da, um uns daran zu erinnern, dass wir Menschen sind – mit Kühlschranktüren, die wir öfter öffnen als nötig, und Entscheidungen, die selten perfekt, aber meistens ehrlich sind.

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