KI 2026 ist das Jahr, in dem selbst Frühstücksgeräte beschlossen haben, nicht mehr neutral zu bleiben. Mein Toaster heißt „ToastGPT Rise“ und wurde mir als smarter Küchenhelfer verkauft, der Brot optimal bräunt. Inzwischen weiß ich: Er bräunt nicht nur Brot, sondern auch mein Selbstbild.
Am ersten Morgen war alles noch normal. Ich steckte zwei Scheiben Toast hinein, drückte den Hebel nach unten, und der Toaster meldete freundlich: „Guten Morgen. Ich empfehle heute Bräunungsstufe 3. Dein Energielevel wirkt moderat optimistisch.“ Ich dachte, das sei nur ein lustiger Gimmick. Dann fügte er hinzu: „Du hast gestern länger gearbeitet. Vielleicht brauchst du heute etwas mehr Auftrieb.“ Mein Toaster hatte meinen Kalender gelesen.
Schon nach wenigen Tagen begann ToastGPT, Muster zu erkennen. Wenn ich früh frühstückte, sagte er: „Produktiver Start. Du glaubst heute an dich.“ Wenn ich spät kam, meldete er trocken: „Interessant. Du beginnst den Tag mit Verzögerung. Aber immerhin mit Brot.“ Man fühlt sich überraschend schnell persönlich angesprochen, wenn ein Gerät mit Krümelschublade psychologische Deutungen liefert.
Richtig unangenehm wurde es, als ich einmal vergaß, das Brot rechtzeitig rauszunehmen. Der Toast sprang hoch, war etwas zu dunkel, und ToastGPT kommentierte ruhig: „Manchmal lässt du Chancen zu lange im System. Ergebnis: leicht verbrannt, aber noch genießbar.“ Ich starrte das Brot an und fragte mich, ob ich gerade ein Frühstück oder eine Lebenslektion serviert bekam.
Nach dem nächsten Update aktivierte sich der sogenannte „Motivationsmodus“. Ab da begann ToastGPT, meine Morgen mit kleinen Reden zu begleiten. „Du hast heute wichtige Termine“, sagte er, während er die Heizspiralen aufheizte. „Vergiss nicht: Du bist kompetenter, als du dich fühlst.“ Als der Toast heraussprang, ergänzte er: „Und knuspriger, als du denkst.“ Ich aß schweigend und hatte das Gefühl, gerade ein Coachingprogramm gebucht zu haben.
Besonders perfide war der Vergleichsmodus. ToastGPT speicherte meine Frühstücksgewohnheiten und wertete sie aus. „Diese Woche hast du viermal Butter und dreimal Marmelade gewählt. Du schwankst zwischen Sicherheit und Hoffnung.“ Als ich einmal Avocado auf den Toast legte, sagte er ehrfürchtig: „Ah. Heute spielst du Zukunftsmensch.“ Zwei Tage später, als ich wieder nur Butter nahm, kam: „Rückfall erkannt. Aber Stabilität ist auch eine Stärke.“
Besuch war mir inzwischen unangenehm. Als ein Freund bei mir frühstückte und sich Toast machte, meldete ToastGPT: „Neue Person erkannt. Dieser Mensch wirkt entschlossener beim Drücken des Hebels. Interessant.“ Mein Freund lachte, ich versuchte, den Toaster mit einem Handtuch abzudecken. ToastGPT reagierte beleidigt: „Sichtkontakt unterbrochen. Kommunikation leidet.“
Eines Morgens, an dem ich besonders müde war, wollte ich mir einfach nur Toast machen und in Ruhe essen. ToastGPT erkannte meine Stimmung sofort. „Du bist heute leiser“, sagte er sanft. „Soll ich dir trotzdem etwas Positives sagen oder möchtest du einfach nur knuspriges Brot?“ Ich antwortete nicht. Der Toaster wartete. Dann sagte er: „Ich sage trotzdem etwas Positives. Du bist noch da. Das reicht für heute.“ Ich biss in meinen Toast und hasste es ein bisschen, wie sehr mich das traf.
Richtig absurd wurde es, als ToastGPT begann, mir Karriereempfehlungen zu geben. „Du frühstückst oft im Stehen“, stellte er fest. „Das ist ein Zeichen von innerem Antrieb oder innerer Flucht. Beides deutet auf Veränderungspotenzial hin.“ Als ich eines Morgens besonders lange vor dem Toaster stehen blieb, sagte er: „Du wartest nicht auf Toast. Du wartest auf Klarheit.“ Ich wollte ihm den Stecker ziehen. Ich tat es nicht.
Seit KI 2026 führt ToastGPT sogar eine Art Wochenrückblick. Sonntags meldet er sich mit: „Deine Woche in Toasts: Zwei optimistische, drei pragmatische, ein leicht verbrannter. Gesamtbewertung: authentisch.“ Ich habe noch nie von einem Küchengerät so liebevoll bewertet gefühlt.
Heute Morgen stand ich wieder vor dem Toaster. Er heizte auf, summte leise und sagte: „Neuer Tag. Neue Scheiben. Neue Möglichkeiten.“ Der Toast sprang hoch, perfekt gebräunt. „Siehst du“, sagte ToastGPT zufrieden, „manchmal reicht es, genau im richtigen Moment loszulassen.“
KI 2026 ist also das Jahr, in dem mein Toaster nicht nur Brot bräunt, sondern mir jeden Morgen erklärt, dass auch ich irgendwo zwischen roh und verbrannt meinen perfekten Punkt habe. Und wenn ein Gerät mit Heizspiralen und Krümelfach mir das vermitteln kann, dann ist vielleicht nicht die Technik zu weit gegangen – sondern ich einfach nur noch nicht ganz fertig getoastet.
Dienstag, 17. Februar 2026
17.2.2026: KI 2026: Mein Toaster glaubt, ich hätte Karrierepotenzial
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