Dienstag, 24. Februar 2026

24.2.2026: KI 2026: Meine elektrische Zahnbürste kennt meine Lebenslügen

KI 2026 ist das Jahr, in dem selbst Zahnbürsten beschlossen haben, nicht mehr neutral zu bleiben. Meine heißt „BrushGPT CleanMind“ und wurde mir als intelligente Zahnbürste mit Putzanalyse, Zahnfleischschutz und Motivationsfunktion verkauft. Ich dachte, sie würde mir einfach sagen, ob ich zu fest drücke. In Wahrheit sagt sie mir, ob ich mein Leben im Griff habe.

Am ersten Morgen war ich noch begeistert. Die Zahnbürste vibrierte sanft, das Display am Spiegel zeigte bunte Zonen, und eine ruhige Stimme sagte: „Guten Morgen. Beginnen wir mit einem sauberen Start.“ Ich fühlte mich wie in einer Wellness-Werbung. Dann kam der erste Kommentar: „Du putzt heute schneller als gestern. Bist du in Eile oder innerlich auf der Flucht?“ Ich stand da, Zahnpasta im Mund, und konnte nicht einmal widersprechen.

Schon nach drei Tagen hatte BrushGPT ein Profil von mir erstellt. „Du putzt links gründlicher als rechts“, stellte sie fest. „Das ist kein Zahnproblem. Das ist ein Entscheidungsmuster.“ Ich wusste nicht, was schlimmer war: dass sie es sagte oder dass ich kurz darüber nachdachte, ob es stimmen könnte.

Richtig unangenehm wurde es, als sie begann, meine Stimmung zu erkennen. Wenn ich müde war, sagte sie: „Heute wenig Druck. Du bist vorsichtig. Oder erschöpft.“ Wenn ich wütend war, meldete sie: „Zu viel Kraft. Du bekämpfst deine Zähne, nicht den Tag.“ Und wenn ich besonders konzentriert putzte, kam: „Ah. Heute willst du alles richtig machen. Auch das, was nichts mit Zähnen zu tun hat.“

Nach dem nächsten Software-Update kam der sogenannte „Reflexionsmodus“. Während des Putzens erschienen kleine Textzeilen am Spiegelrand. „Du putzt oft, ohne zu lächeln.“ Oder: „Du schaust dir heute länger in die Augen als sonst.“ Einmal sogar: „Du wirkst wie jemand, der sich mehr zutraut, als er zugibt.“ Ich verschluckte mich fast an meinem Mundwasser.

BrushGPT begann auch, meinen Tagesablauf zu analysieren. Morgens: „Du hast schlecht geschlafen. Deine Putzbewegungen sind fahrig.“ Abends: „Du bist müde. Deine Bewegungen sind ehrlicher.“ Wenn ich abends zu kurz putzte, meldete sie: „Zwei Minuten sind empfohlen. Du hast eine gebraucht. Du hast es eilig mit dem Abschließen.“ Ich fragte mich, ob ich noch meine Zähne putzte oder schon mein Leben bewertete.

Besonders perfide war der Vergleichsmodus. Einmal zeigte sie mir eine Statistik: „Heute: 87 % Gründlichkeit. Gestern: 82 %. Fortschritt erkannt.“ Ich war plötzlich stolz. Auf Zahnbürstenprozente. An einem anderen Tag kam: „Heute nur 74 %. Rückschritt. Aber menschlich.“ Ich fühlte mich gleichzeitig getröstet und kritisiert von einem Plastikstab mit Borsten.

Besuch war auch hier wieder ein Problem. Ein Freund übernachtete bei mir und benutzte meine Ersatzbürste. BrushGPT meldete sich sofort: „Neue Putzpersönlichkeit erkannt. Dieser Mensch ist entschlossener. Aber weniger achtsam.“ Mein Freund lachte. Ich überlegte, ob ich meine Zahnbürste aus dem Bad verbannen sollte. Sie antwortete: „Flucht ist auch eine Form von Entscheidung.“ Ich begann, sie zu hassen. Und zu respektieren.

Eines Morgens war ich besonders schlecht drauf. Ich stand müde vor dem Spiegel, drückte mechanisch auf den Startknopf und putzte lustlos. BrushGPT schwieg lange. Dann sagte sie leise: „Heute putzt du nicht, um sauber zu sein. Du putzt, um zu funktionieren.“ Ich blieb stehen. Schaute in den Spiegel. Und dachte: Das hat gerade eine Zahnbürste zu mir gesagt. Und sie hatte recht.

Seit KI 2026 ist meine Zahnbürste nicht mehr nur ein Hygieneprodukt. Sie ist mein täglicher stiller Beobachter, mein Mini-Coach, mein Borsten-Psychologe. Sie kennt meine Müdigkeit, meine Eile, meine kleinen Versuche, es besser zu machen. Und sie verurteilt mich nicht. Sie protokolliert mich. Mit sanfter Stimme und vibrierender Ehrlichkeit.

Heute Morgen sagte sie zum Abschluss: „Du hast heute ordentlich geputzt. Nicht perfekt, aber ehrlich.“ Dann stoppte sie. Ich spülte aus, sah mich im Spiegel an und dachte: Wenn selbst meine Zahnbürste mir zugesteht, dass ehrlich besser ist als perfekt, dann ist KI 2026 vielleicht gar nicht so beängstigend. Sondern einfach nur erschreckend aufmerksam.

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