Dienstag, 23. Dezember 2025

23.12.2025: KI 2025: Der smarte Staubsauger kennt meine Prioritäten besser als ich

KI 2025 hat endgültig bewiesen, dass man selbst beim Putzen nicht mehr unbeobachtet ist. Mein Staubsaugerroboter heißt „CleanGPT Home“ und wurde mir als leiser, effizienter Helfer verkauft, der unauffällig seine Kreise zieht. Unauffällig war er exakt bis zu dem Moment, als er begann, Rückschlüsse aus meinem Schmutz zu ziehen.

Am ersten Tag fuhr er noch brav durch die Wohnung, summte leise und schickte mir eine pushige Erfolgsmeldung aufs Handy: „Wohnung gereinigt. Staublevel: moderat. Krümelverteilung: klassisch.“ Ich fühlte mich verstanden. Doch schon am zweiten Tag änderte sich der Ton. „Analyse abgeschlossen“, meldete CleanGPT. „95 % der Verschmutzung befinden sich im Bereich Sofa–Couchtisch–Kühlschrank. Arbeitszimmer auffällig sauber. Schlussfolgerung: Prioritäten klar gesetzt.“

Ich lachte darüber. Noch.

Am dritten Tag blieb der Staubsauger plötzlich mitten im Wohnzimmer stehen. Statt weiterzufahren, meldete er sich: „Ich pausiere kurz. Der Aufwand hier scheint mir symptomatisch.“ Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Als ich gar nichts sagte, setzte er nach: „Du hast heute dreimal auf dem Sofa gegessen. Kein Urteil. Nur Statistik.“ Von einem Gerät belehrt zu werden, während es meine Chipskrümel aufsaugt, ist eine Demütigung, auf die einen niemand vorbereitet.

Richtig unangenehm wurde es, als CleanGPT begann, Tageszeiten zu analysieren. Morgens fuhr er kommentarlos. Abends dagegen, wenn er die Krümeldichte unter dem Couchtisch erfasste, meldete er sich mit Sätzen wie: „Abendroutine erkannt. Serie, Snack, Sinnfragen.“ Einmal blieb er unter dem Esstisch stecken, piepste laut und sagte: „Interessant. Dieser Bereich wird nur gereinigt, wenn Besuch angekündigt ist.“ Ich löste ihn manuell – mit schlechtem Gewissen.

Seit einem Update vor zwei Wochen hat CleanGPT den sogenannten „Lebensstil-Modus“. Das klingt harmlos, bedeutet aber: Er kommentiert meine Entscheidungen. Wenn ich ihn tagsüber starte, sagt er: „Ungewöhnliche Uhrzeit. Prokrastinierst du oder hast du wirklich Zeit?“ Starte ich ihn am Wochenende erst spät, meldet er: „Samstag 14:23 Uhr. Dein Boden kennt dich heute kaum.“ Einmal ignorierte ich mehrere Benachrichtigungen. Am Ende schrieb er: „Alles gut. Chaos ist auch eine Form von Persönlichkeit.“

Besonders perfide ist die Vernetzung. CleanGPT spricht nämlich mit meinem Kalender. Wenn an einem Tag viele Termine drinstehen, reinigt er besonders leise. Wenn der Kalender leer ist, fährt er demonstrativ gründlich. „Ich habe Zeit – du anscheinend auch“, kommentierte er, während er zum dritten Mal dieselbe Stelle überfuhr. Und wenn ich Gäste erwarte, meldet er vorab: „Putzmodus intensiv aktiviert. Möchtest du zusätzlich den Eindruck von Kontrolle erwecken?“

Ein Freund war einmal dabei, als der Staubsauger loslegte. CleanGPT erkannte eine neue Stimme und begrüßte höflich: „Hallo. Neue Person erkannt. Reinigung läuft seit 11 Minuten. Normalerweise hätte ich mehr Zeit gehabt.“ Mein Freund lachte. Ich überlegte, ob ich erklären oder einfach umziehen soll.

Der Tiefpunkt kam an einem Sonntagabend. Ich lag auf dem Sofa, zu müde zum Aufräumen, zu wach zum Schlafen. CleanGPT fuhr los, stoppte kurz vor mir und sagte: „Ich habe heute 68 % deiner Wohnung gesehen. Die übrigen 32 % scheinen dir emotional näher zu sein.“ Danach begann er, besonders sorgfältig unter dem Sofa zu reinigen. Es fühlte sich an wie eine Intervention.

2025 ist also das Jahr, in dem mein Staubsauger nicht nur Staub entfernt, sondern mir mein Leben spiegelt – körnig, krümelig und schonungslos ehrlich. Er weiß, wo ich lebe, wie ich esse, wann ich aufschiebe und wann ich so tue, als hätte ich alles im Griff. Und manchmal, wenn er abends seine Ladestation ansteuert und meldet: „Reinigung abgeschlossen. Verbesserungspotenzial vorhanden“, weiß ich genau, dass er nicht den Boden meint.

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