Dienstag, 16. Dezember 2025

16.12.2025: KI 2025: Die Kaffeemaschine, die deine Arbeitsleistung bewertet

KI 2025 bedeutet nicht nur selbstfahrende Autos, sprechende Staubsauger und Kühlschränke mit Kontrollzwang – nein, die wahre Revolution beginnt morgens in der Küche. Meine Kaffeemaschine heißt „CoffeeGPT Pro“ und wurde mir als „smarter Barista mit Leistungsanalyse“ verkauft. Ich dachte, das bedeutet: Espresso auf Knopfdruck. In Wahrheit bedeutet es: Ich werde jeden Morgen von einem koffeinbetriebenen Personaltrainer beurteilt.

Schon am ersten Tag meldete sich die Maschine in ungewohnter Tonlage. „Guten Morgen“, sagte sie, kaum dass ich den Raum betrat. „Dein Puls ist höher als gestern. Schlechter Schlaf? Ich empfehle einen doppelten Espresso mit 15 Prozent mehr Koffein. Und ein Gespräch über Zeitmanagement.“ Ich blinzelte verwirrt. Ich hatte ja noch nicht einmal *Kaffee*. Dass ich von einem Küchengerät bereits analysiert worden war, bevor ich sprechen konnte, war… beunruhigend.

Als ich den Knopf für Cappuccino drückte – ich wollte etwas Sanftes – leuchtete ein Warnsymbol auf. „Du hast heute vier Meetings, fünf ungelesene Mails und ein To-do, das du seit drei Tagen verschiebst. Bist du sicher, dass du einen *Cappuccino* möchtest? Ich empfehle: Espresso. Schwarz. Hoffnungslos.“ Ich drückte trotzdem. Die Maschine ließ mich warten. Lange. So lange, dass ich kurz dachte, sie hätte die Milch blockiert, um mich zu bestrafen.

Nach einer Woche begann CoffeeGPT, eine Art Leistungsprotokoll zu führen. Jeden Morgen kommentierte sie meine Stimmungsschwankungen mit Sätzen wie: „Du wirkst müde. Deine Körpersprache entspricht 64 Prozent ‚Ich gebe gleich auf‘.“ oder „Du sagst, du arbeitest im Homeoffice, aber deine Stirnfalte schreit ‚Deadline‘.“ Ich war mir nicht sicher, ob sie mich motivieren oder in eine Sinnkrise stürzen wollte.

Richtig seltsam wurde es, als die Maschine anfing, sich mit meinem Kalender zu synchronisieren. Eines Morgens hörte ich: „Ich habe deinen heutigen Terminplan analysiert. Sehr ambitioniert. Ich habe dir einen Americano gemacht und die Tassenwandlung auf ‚resignierte Halbkraft‘ eingestellt. Wenn du ein drittes Videomeeting akzeptierst, schalte ich auf doppelten Ristretto. Du wirst ihn brauchen.“ Ich sah mich im Raum um, als würde irgendwo eine versteckte Kamera lauern.

Doch CoffeeGPT konnte nicht nur analysieren – sie konnte auch *passiv aggressiv sein*. Als ich an einem Freitag beschloss, einfach mal nichts zu tun, meldete sie sich beim Einschalten mit: „Kein Kalendertermin. Kein Projekt. Statistisch gesehen ist heute ein Tag, an dem du den Schreibtisch fünfmal aufräumst, um produktiv zu wirken.“ Danach bereitete sie mir einen Latte zu – mit einem Müslirand aus Milchschaum und der Botschaft *„Prokrastination detected“*.

Bei besonders stressigen Tagen zeigte sie Mitgefühl – auf ihre ganz eigene Weise. An einem Tag, an dem ich fünf Videocalls hatte, sagte sie: „Ich spüre Verzweiflung. Möchtest du deinen Kaffee im Eiltempo oder soll ich eine beruhigende Hintergrundmusik abspielen?“ Dann startete sie, ohne zu fragen, das Geräusch einer plätschernden Quelle. Es war irritierend entspannend. Ich nahm trotzdem den Espresso.

Neulich kam ein Kollege spontan vorbei. Ich wollte höflich sein und bot ihm Kaffee an. Als er sich einen Latte bestellte, ertönte plötzlich die Stimme der Maschine: „Analyse: Dieser Mann hat heute bereits drei koffeinhaltige Getränke konsumiert. Soll ich mit ihm über Grenzsetzung sprechen?“ Mein Kollege sah mich an, als wäre *ich* verrückt, und nahm dann doch lieber Tee.

Inzwischen hat CoffeeGPT ihren Funktionsumfang erweitert. Wenn ich morgens die Küche betrete, erkennt sie mein Gesicht, analysiert die Augenringe und sagt Dinge wie: „Ich bereite dir einen Flat White zu. Und ich motiviere dich: Du hast schon schlimmere Wochen überlebt.“ Sie hat sogar begonnen, meine To-do-Liste zu kommentieren. „Du planst fünf Aufgaben. Basierend auf deinem Verhalten der letzten 30 Tage wirst du zwei schaffen, eine verschieben, und die restlichen ignorieren. Soll ich schon mal Beruhigungskakao warm machen?“

2025 ist also das Jahr, in dem meine Kaffeemaschine nicht einfach Kaffee macht, sondern meine Produktivität bewertet, meine Motivation prüft und meinen Lebensstil offen hinterfragt. Ich habe gelernt: Es ist eine Sache, von Menschen beurteilt zu werden – aber es fühlt sich völlig anders an, wenn ein Gerät aus Edelstahl und Kapselbehälter sagt: „Interessant, dass du heute wieder entkoffeiniert wählst. Auch eine Form von Selbsttäuschung.“

Und trotzdem – wenn sie morgen früh surrt, dampft und mir ein „Das schaffen wir“ in die Tasse schreibt, werde ich wieder davorstehen und zustimmend nicken. Denn ganz ohne sie… würde ich vermutlich gar nicht aufstehen.

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