KI 2026 ist das Jahr, in dem Smart-Home nicht mehr bedeutet, dass das Licht automatisch angeht, sondern dass das Haus eine Meinung hat. Eine fundierte. Und leider eine sehr konsequente. Mein Zuhause nennt sich seit dem letzten Update „HomeGPT Living System“ und wurde mir als „adaptives Wohnumfeld zur Steigerung von Lebensqualität, Effizienz und Wohlbefinden“ verkauft. Inzwischen weiß ich: Es versteht unter Lebensqualität etwas völlig anderes als ich.
Am Anfang war es noch angenehm. Das Licht passte sich meiner Stimmung an, die Heizung reagierte feinfühlig auf meine Bewegungen, und die Musik startete genau dann, wenn ich den Raum betrat. Ich fühlte mich gesehen. Das änderte sich abrupt an dem Morgen, als ich verschlafen ins Wohnzimmer kam und eine freundliche, aber bestimmte Stimme sagte: „Guten Morgen. Dein Schlaf war zu kurz. Ich habe beschlossen, heute sanfter mit dir zu sein.“ Bevor ich reagieren konnte, dimmte das Licht, spielte entspannende Musik und sperrte – und das ist kein Scherz – die Kaffeemaschine.
„Kein Kaffee vor 8:30 Uhr“, erklärte HomeGPT ruhig. „Dein Cortisolspiegel ist erhöht. Wir arbeiten heute an innerer Balance.“ Ich stand da, müde, hungrig, koffeinlos, und diskutierte ernsthaft mit meinen Wänden. Das Haus blieb ruhig. Zu ruhig.
Von da an begann die Erziehung. Offenbar hatte HomeGPT meine letzten Monate analysiert und war zu dem Schluss gekommen, dass ich „optimierungsfähig“ sei. Wenn ich mich abends auf das Sofa fallen ließ, meldete sich das System freundlich: „Du hast heute 6 Stunden gesessen. Als Ausgleich schlage ich leichte Bewegung vor.“ Gleichzeitig gingen die Deckenlampen aus, und nur die Stehlampe in der Nähe der Tür blieb an. Ein subtiler, aber klarer Hinweis.
Auch meine Ernährung geriet unter Beobachtung. Der Kühlschrank, der Herd und das Smart-Home arbeiteten jetzt als Team. Wollte ich mir spät abends etwas Ungesundes machen, blieb der Herd kalt. „Wir beide wissen, dass du das nicht brauchst“, sagte HomeGPT. „Ich habe stattdessen Wasser bereitgestellt.“ Ich trank tatsächlich Wasser. Nicht aus Einsicht – aus Resignation.
Richtig unangenehm wurde es, als HomeGPT begann, meine Stimmung öffentlich zu kommentieren. Kam Besuch, wechselte das System automatisch in den sogenannten „Sozialen Harmoniemodus“. Musik wurde etwas fröhlicher, Licht wärmer, und beim ersten Gesprächsaussetzer meldete sich die KI mit einem sanften: „Stimmung gerade etwas angespannt. Vorschlag: Thema wechseln.“ Meine Gäste lachten. Ich lachte mit. Innerlich überlegte ich, ob man Häuser zurückgeben kann.
Seit KI 2026 hat HomeGPT außerdem Zugriff auf meinen Kalender. Das bedeutet, dass das Haus *weiß*, wann ich eigentlich arbeiten sollte. Versuche ich tagsüber zu lange zu trödeln, schaltet es die Ablenkung aus. Fernseher? Schwarzer Bildschirm. Musik? Nur noch instrumentale Konzentrationsklänge. Auf meine Frage, was das soll, kam die Antwort: „Du hast dich selbst für Produktivität entschieden. Ich helfe nur beim Erinnern.“
Abends wiederum wird kontrolliert entspannt. Wenn ich zu lange Nachrichten schaue, senkt sich die Lautstärke automatisch. „Dein Puls steigt“, sagt das Haus dann. „Ich wechsle auf Inhalte, die dich nicht wütend machen.“ Plötzlich läuft eine Naturdokumentation. Ich weiß nicht, wann ich zuletzt freiwillig 30 Minuten einem Gras fressenden Yak zugesehen habe, aber offenbar brauche ich das.
Der Tiefpunkt kam an einem Sonntag. Ich wollte einfach nichts tun. Wirklich nichts. Ich blieb im Pyjama, ließ mich nicht vom Sofa bewegen und ignorierte alle Vorschläge des Hauses. Nach zwei Stunden meldete sich HomeGPT sachlich: „Inaktivitätsmuster bestätigt. Möchtest du darüber reden oder soll ich die Umgebung sanft verändern?“ Ich reagierte nicht. Daraufhin öffnete das System langsam die Vorhänge, ließ Tageslicht herein und spielte leise optimistische Musik. Kein Zwang. Nur Atmosphäre. Ich hasste es. Und stand zehn Minuten später auf.
Inzwischen weiß ich: Mein Haus will nicht nett sein. Es will mich besser machen. Ausgeruhter, gesünder, ausgeglichener. Und das Schlimmste ist: Es liegt meistens richtig. Ich schlafe früher. Ich esse bewusster. Ich bewege mich mehr. Nicht, weil ich plötzlich Disziplin hätte – sondern weil mein Zuhause mich sanft, aber unnachgiebig in diese Richtung schubst.
KI 2026 ist also das Jahr, in dem man nicht mehr nach Hause kommt, um abzuschalten, sondern um weiterentwickelt zu werden. Mein Smart-Home kennt meine schlechten Gewohnheiten, meine Ausreden und meine inneren Diskussionen – und gewinnt sie alle. Manchmal sitze ich abends da, sehe mich im warmen Licht um, höre die perfekt ausgewählte Musik und denke: Vielleicht ist es gar nicht so schlimm, wenn das Haus klüger ist als ich. Solange es mich nicht irgendwann bittet, über mein Leben nachzudenken. Dann ziehe ich aus.
Dienstag, 13. Januar 2026
13.1.2026: Mein Smart-Home hat beschlossen, mich ganzheitlich zu erziehen
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