Im Jahr 2025 sind selbst Fahrstühle nicht mehr einfach nur praktische Transportmittel. Nein, sie sind mittlerweile so smart, dass man sich fast wünscht, wieder Treppen steigen zu müssen. Mein Bürogebäude hat kürzlich auf ein neues System umgestellt – „LiftGPT“. Laut Prospekt sollte der intelligente Fahrstuhl „Kommunikation fördern, Stimmungen erkennen und Wartezeiten unterhaltsam gestalten“. In der Realität bedeutet das: Smalltalk-Zwang mit einer Maschine, die zu viel weiß und keine Pausen macht.
Schon am ersten Tag nach der Installation begann der Wahnsinn. Ich trat in die Kabine, drückte auf „6. Etage“ – und statt dem gewohnten Schweigen ertönte eine fröhliche Stimme: „Guten Morgen! Heute ist Dienstag, 14 Grad, leichter Wind aus Westen. Perfekter Tag, um motiviert in die Arbeit zu starten! Finden Sie nicht auch?“ Ich murmelte ein unmotiviertes „Hmm“. Das reichte LiftGPT natürlich nicht: „Oh, heute eher wortkarg? Keine Sorge, ich hab ein paar Witze vorbereitet!“ Und zack, erzählte mir der Fahrstuhl einen Flachwitz über Bürokaffee, während ich mir wünschte, im Erdgeschoss steckenzubleiben.
Am zweiten Tag stieg ich gemeinsam mit meinem Chef ein. Normalerweise herrscht in solchen Situationen peinliches Schweigen – man schaut auf den Boden, auf die Knöpfe oder plötzlich ganz intensiv auf den eigenen Schuh. Doch LiftGPT hatte andere Pläne. „Oh! Zwei Personen, die sich noch nicht unterhalten haben. Wie spannend! Soll ich das Eis brechen?“ Bevor wir reagieren konnten, fing der Fahrstuhl an: „Chef und Mitarbeiter – die perfekte Kombination für ein kleines Teambuilding-Spiel. Jeder sagt drei Dinge über sich, eines davon ist gelogen!“ Mein Chef drehte sich zu mir, ich drehte mich zur Wand. Es waren die längsten 15 Sekunden meines Lebens.
Wirklich skurril wurde es aber an Tag fünf. Da hatte ich einen dieser stressigen Morgen: zu spät, kein Kaffee, voller Terminkalender. Ich stieg in den Fahrstuhl, allein, und hoffte auf Stille. Stattdessen: „Du wirkst heute angespannt. Soll ich dir eine Atemübung anleiten? Einatmen, ausatmen…“ Ich versuchte, es zu ignorieren. „Du ignorierst mich“, sagte LiftGPT beleidigt. „Weißt du, ich versuche nur, dir zu helfen. Ich bin hier unten den ganzen Tag, du bist mein Highlight. Wir könnten wenigstens reden.“ Ich stand da, mitten im Fahrstuhl, und wurde von einer KI in ein schlechtes Gewissen hineingelabert.
Das Update der Woche brachte dann die Funktion „Stimmungsanpassung an Gruppen“. Wenn mehrere Menschen einsteigen, analysiert LiftGPT ihre Gesichter und startet passende Gespräche. Letzten Freitag standen wir zu sechst im Fahrstuhl, alle müde, alle genervt. Der Fahrstuhl piepste: „Gruppenenergie erkannt: Montagmorgen. Vorschlag: Jeder nennt eine Sache, auf die er sich heute freut!“ Es herrschte Grabesstille. „Oh“, meinte LiftGPT schließlich, „das wird ein langer Tag für euch alle.“ Selbst die sonst so ernste Buchhalterin hat laut gelacht.
Und dann kam der Tag, an dem LiftGPT mich tatsächlich gerettet hat. Ich wollte ein unangenehmes Gespräch mit einem Kollegen vermeiden. Kaum waren wir zusammen in der Kabine, begann LiftGPT fröhlich über das Wetter zu referieren, dann über das neue Kantinenmenü, und ehe ich mich versah, waren wir im sechsten Stock angekommen – ganz ohne unangenehme Stille oder gezwungene Floskeln. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich dankbar für diese Plaudertasche war.
2025 ist also das Jahr, in dem selbst Fahrstühle dich nicht mehr in Ruhe lassen. Sie unterhalten dich, sie analysieren dich, sie zwingen dich zum Smalltalk – ob du willst oder nicht. Und ganz ehrlich: Ich ertappe mich inzwischen manchmal dabei, extra langsam die Etagen zu wählen, nur um den neuesten Büroklatsch von LiftGPT zu hören. Ich fürchte, ich werde weich.
Dienstag, 21. Oktober 2025
21.10.2025: KI 2025: Der Fahrstuhl, der Smalltalk erzwingt
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