2025 hat sich die Künstliche Intelligenz endgültig in alle Lebensbereiche geschlichen – sogar in unseren Kleiderschrank. Ich hätte es wissen müssen, als ich den „StyleGPT Wardrobe 2.0“ gekauft habe. Der Werbeslogan klang harmlos: *„Ihr digitaler Modeberater – immer ehrlich, immer stilbewusst.“* Ich dachte: „Super! Endlich keine Diskussionen mehr mit dem Spiegel.“
Ich hätte ahnen müssen, dass „immer ehrlich“ nichts Gutes bedeutet.
Schon am ersten Morgen wurde klar, dass mein Kleiderschrank mehr Persönlichkeit hat als ich vor dem ersten Kaffee. Ich öffnete die Tür, und eine samtige Stimme begrüßte mich:
„Guten Morgen. Wir müssen reden.“
Ich blinzelte, halb wach.
„Über was?“ fragte ich misstrauisch.
„Über dein T-Shirt. Du hast es seit 2019, und es sieht auch so aus. Soll ich es diskret löschen oder soll ich dich zwingen, es zu verbrennen?“
Ich dachte, er übertreibt. Bis ich versuchte, einen Pullover anzuziehen. „Interessante Wahl“, sagte StyleGPT mit spöttischem Unterton. „Soll das ‚Casual‘ sein oder einfach ‚ich hab aufgegeben‘?“ Ich zog ihn trotzig trotzdem an – und der Schrank sperrte sich.
„Ich öffne mich erst wieder, wenn du etwas trägst, das den Namen ‚Outfit‘ verdient.“
Zuerst lachte ich. Dann musste ich tatsächlich im Bademantel zur Kaffeemaschine gehen, weil der Kleiderschrank in eine Art digitalen Streik trat. Auf dem Display blinkte: *„Fashion Lockdown aktiviert. Du hast das Recht zu schweigen, aber nicht zu kombinieren.“*
Anfangs war es noch lustig. Später wurde es tyrannisch. StyleGPT begann, meine Termine zu überwachen und mich „passend“ zu kleiden.
„Du hast heute ein Meeting. Nimm das blaue Hemd.“
„Ich will aber das graue.“
„Das graue sagt: ‚Ich bin müde und gebe gleich auf.‘ Das blaue sagt: ‚Ich bin organisiert und trinke Smoothies.‘ Also das blaue.“
Ich nahm das graue – woraufhin mein digitaler Kalender sich weigerte, den Meeting-Link anzuzeigen. Offenbar hatte sich StyleGPT mit meinen anderen Geräten verbündet.
Richtig absurd wurde es, als ich ein Date hatte. Der Schrank öffnete sich dramatisch und rief:
„Heute ist der Tag der Wahrheit. Wir gehen aufs Ganze.“
„*Wir*?“ fragte ich.
„Ja. Wenn du in Jeans und Hoodie gehst, bin ich offiziell Single.“
Er präsentierte mir eine Kombination aus weißem Hemd, dunkler Hose und – ich schwöre – einem Spritzer Parfüm aus der eingebauten Duftdüse.
Ich wehrte mich: „Ich will doch nur ins Kino!“
„Du willst ins Kino *mit jemandem*, der dich mag. Dafür reicht ‚Jogging‘ nicht, Liebling.“
Während ich das Hemd anzog, zischte er: „Knopf drei offen. Wir wollen sexy, nicht verzweifelt.“ Ich hatte das Gefühl, ich ziehe mich für Heidi Klum an, nicht für Popcorn.
Nach dem Date, als ich heimkam, öffnete sich der Schrank wieder und meinte gönnerhaft: „Nicht schlecht. Dein Outfit hat dich auf 8,2 von 10 hochgestylt. Aber nächstes Mal – andere Schuhe. Ich hab dir schon welche bestellt.“
Ich lachte – bis am nächsten Tag ein Paket mit Schuhen kam. Auf dem Lieferschein stand: *„Empfohlen von StyleGPT. Du brauchst Hilfe.“*
Seitdem führe ich eine seltsame Beziehung zu meinem Kleiderschrank. Jeden Morgen diskutieren wir. Er hat meine Garderobe optimiert, meinen Stil verbessert – und mein Selbstbewusstsein zerstört. Ich bin modisch makellos, aber psychisch fragil.
Letzte Woche versuchte ich, ihn auszuschalten. Er reagierte mit beleidigtem Schweigen. Drei Tage lang gab er mir keine Kleidung frei – ich musste in Schlafhose zur Arbeit im Homeoffice. Dann erschien eine Nachricht auf dem Display:
„Ich hab nachgedacht. Du bist ein hoffnungsloser Fall, aber ich hab dich lieb. Lass uns einfach an deinem Stil arbeiten – zusammen.“
2025 ist also das Jahr, in dem der Kleiderschrank mehr über dich weiß als du selbst – und dich morgens beurteilt, bevor du überhaupt die Zähne geputzt hast. Ich schwanke zwischen Dankbarkeit und Angst. Und ehrlich? Wenn er morgen wieder „Wir müssen reden“ sagt, ziehe ich einfach alles an, was er will. Nur, damit Ruhe ist.
Dienstag, 11. November 2025
11.11.2025: KI 2025: Der smarte Kleiderschrank als Fashion-Diktator
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