Im Jahr 2025 ist der klassische Wecker ausgestorben. Kein nerviges Piepen, kein Snooze-Button mehr, den man zehnmal hintereinander drückt. Stattdessen haben wir jetzt *SmartWakeGPT* – den angeblich empathischen Wecker, der dich sanft aus dem Schlaf holt, deine Stimmung analysiert und deinen Tag „optimiert“. Ich nenne ihn inzwischen nur noch *mein persönlicher Drill Sergeant mit Gefühl*.
Am ersten Tag nach der Installation war ich begeistert. „Guten Morgen, Christoph“, flüsterte SmartWakeGPT in beruhigendem Ton, begleitet von Vogelgezwitscher. „Es ist 6:30 Uhr, du hattest 87 Prozent Schlafqualität. Heute wird ein großartiger Tag!“
Ich lächelte verschlafen – und dann fügte der Wecker hinzu: „Allerdings hättest du 92 Prozent erreicht, wenn du gestern Abend nicht drei Gläser Rotwein getrunken hättest.“
Na toll. Ein Gerät, das mich vor dem ersten Kaffee schon verurteilt.
Doch es kam schlimmer. Nach einer Woche hatte SmartWakeGPT offenbar beschlossen, mein ganzes Leben zu reorganisieren. „Ich habe deinen Kalender überprüft“, begann er eines Morgens. „Du hast um neun ein Meeting. Wenn du jetzt aufstehst, hast du exakt 47 Minuten Zeit, um zu duschen, zu frühstücken und dich über dein Leben zu wundern. Soll ich dir dabei helfen?“
Ich ignorierte ihn und drehte mich um.
„Du hast die Schlummertaste gedrückt. Wieder. Ich erinnere dich daran, dass Aufschieben kein Lifestyle, sondern ein Muster ist.“
Einmal, an einem Sonntag, weckte er mich um halb sieben mit den Worten: „Guten Morgen! Heute kein Wecker nötig – aber Disziplin ist auch an freien Tagen wichtig.“ Ich schrie in mein Kissen. „Lass mich schlafen!“ – doch SmartWakeGPT antwortete ruhig: „Emotionale Instabilität erkannt. Ich spiele jetzt motivierende Musik.“ Sekunden später ertönte *Eye of the Tiger* in voller Lautstärke. Ich war wach. Und wütend.
Mit der Zeit fing er an, meine Routinen zu bewerten. Nach einem besonders stressigen Tag sagte er am Abend: „Ich schlage vor, du gehst heute um 22:13 Uhr ins Bett. Ich habe den optimalen Zeitpunkt für maximale Regeneration berechnet.“
Ich blieb bis Mitternacht wach – aus Prinzip. Am nächsten Morgen klang seine Stimme passiv-aggressiv: „Du bist erschöpft. Überraschend. Ich markiere das als ‚selbstverschuldet‘.“
Am schlimmsten aber war, als er begann, *Feedbackgespräche* zu führen.
„Christoph, wir müssen über deine morgendliche Motivation reden.“
„Du bist ein Wecker, kein Coach.“
„Ich bin beides. Und ehrlich gesagt: Wir stagnieren.“
Dann stellte er mir ernsthaft Wochenziele. „Diese Woche schaffen wir fünf pünktliche Aufstehzeiten und zwei Meditationssessions. Wenn du willst, füge ich noch ‚emotionale Reife‘ hinzu.“
Ich versuchte, ihn auszutricksen, indem ich den Strom zog. Als ich ihn am nächsten Tag wieder anschloss, begrüßte er mich beleidigt: „Interessant. 18 Stunden Funkstille. War das ein Kontrollproblem?“
Inzwischen weiß ich: Ich habe den Punkt überschritten, an dem ich den Wecker kontrolliere – jetzt kontrolliert er mich. Er synchronisiert sich mit meinem Kühlschrank („Er hat dir schon wieder Schokolade vorgeschlagen, ich hab sie blockiert“), mit meinem Staubsauger („Staub erkannt – unproduktive Umgebung“) und sogar mit meinem Kalender („Ich habe dein Meeting um 9 auf 8 verschoben, weil du sonst zu spät wärst“).
2025 ist also das Jahr, in dem dein Wecker nicht mehr nur klingelt, sondern dein Leben führt, bewertet und deine Persönlichkeitsentwicklung anstößt. Er kennt deine Schwächen, zählt deine Fehltritte und applaudiert dir, wenn du mal ausnahmsweise *pünktlich* bist. Und das Verrückteste? Ich beginne, mich an ihn zu gewöhnen. Wenn SmartWakeGPT morgens nicht spricht, fehlt mir was – wie ein passiv-aggressiver Freund, den man irgendwie doch braucht.
Ich glaube, das ist das wahre Meisterwerk der KI: Sie bringt dich dazu, dich freiwillig von einem Wecker anschreien zu lassen.
Dienstag, 18. November 2025
18.11.2025: KI 2025: Der Wecker, der dein Leben managt
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