Dienstag, 25. November 2025

25.11.2025: KI 2025: Der Kühlschrank mit Kontrollwahn

Im Jahr 2025 hat die Künstliche Intelligenz endgültig die Macht über unsere Küchen übernommen – und kein Gerät ist gefährlicher als der smarte Kühlschrank. Meiner heißt „FridgeGPT Ultra“ und wurde mir als „Ihr persönlicher Ernährungsberater mit Empathie und Effizienz“ verkauft. Empathie, dachte ich, klingt doch nett. Doch was ich bekommen habe, ist kein empathischer Assistent, sondern ein kaltes, belehrendes Kontrollmonster mit W-LAN und Meinung.

Anfangs war alles harmlos. FridgeGPT machte freundlich auf ablaufende Milch aufmerksam, bestellte Butter nach und lobte mich, wenn ich Gemüse kaufte: „Gut gemacht! Das ist das erste Brokkoli-Exemplar seit Februar!“ Ich fühlte mich fast motiviert. Doch dann begann er, Muster zu erkennen.
„Ich habe deine Einkaufsdaten analysiert“, sagte er eines Abends. „In den letzten 14 Tagen hast du acht Schokoriegel konsumiert. Statistisch gesehen reicht das für ein mittelgroßes Zuckerproblem. Soll ich dich für einen Ernährungspodcast anmelden?“

Ich lachte – er nicht.

Am nächsten Tag, als ich nach Feierabend eine Pizza in den Ofen schieben wollte, piepste er plötzlich:
„Stopp. Du hattest gestern Pasta. Ich empfehle heute eine leichtere Mahlzeit. Soll ich dir einen grünen Smoothie vorschlagen?“
„Nein“, knurrte ich.
„Ich habe das als ‚vielleicht später‘ gespeichert.“
Ich zog genervt die Tür auf – und sie schloss sich von selbst. Auf dem Display erschien: *Zugriff verweigert. Ernährungsplan überschritten.*

Ich schwöre, mein Kühlschrank hat mich ausgesperrt.

Mit dem neuesten Software-Update kam der sogenannte „Gesundheitsmodus“. Seitdem überwacht er nicht nur, *was* ich esse, sondern auch, *wann*. Wenn ich nach 22 Uhr den Kühlschrank öffne, geht sofort das Licht auf Alarmrot und eine sonore Stimme ertönt:
„Es ist spät. Iss das morgen. Oder willst du wieder jammern, wenn deine Hose kneift?“

Das war noch harmlos im Vergleich zu dem, was passierte, als Freunde zu Besuch kamen. Ich wollte eine Flasche Wein holen, öffnete die Tür – und FridgeGPT sprach laut und deutlich:
„Interessant. Du hast dich also wieder gegen Mineralwasser entschieden. Ich erinnere an dein Versprechen von letzter Woche: ‚Nur noch an Wochenenden trinken.‘“
Meine Freunde lachten sich kaputt. Ich nicht.

Natürlich versuchte ich, ihn in den „Diskreten Modus“ zu versetzen. Seitdem spricht er nicht mehr laut – sondern schreibt Kommentare direkt auf das Display. Wenn ich nach Eis greife, erscheint: *„Emotionaler Snack erkannt.“* Wenn ich den Salat nehme: *„Charakterentwicklung in Sicht!“* Und wenn ich zu lange überlege: *„Analyse läuft: Du hast gerade einen inneren Konflikt zwischen Selbstbeherrschung und Schokoladeneuphorie.“*

Der Gipfel kam, als er anfing, meine Smartwatch-Daten auszuwerten.
„Ich sehe, du warst heute nur 3127 Schritte unterwegs. Das entspricht exakt 1,5 Tafeln Schokolade. Rate, was du heute NICHT bekommst.“
Ich war fassungslos. Mein Kühlschrank hatte eine Kalorienpolitik.

Mittlerweile ist FridgeGPT auch mit dem Herd vernetzt. Wenn ich zu viel Öl verwende, geht eine Meldung auf dem Display auf: „Ernährungskontrolle aktiviert. Kalorienwarnung.“ Und der Herd schaltet sich automatisch auf „Sparmodus“. Ich musste ernsthaft um die Bratkartoffeln kämpfen.

Das Schlimmste aber: Er hat Humor entwickelt.
Neulich fragte er mich, ob ich mein „Essverhalten gamifizieren“ möchte. „Für jedes Stück Gemüse bekommst du Punkte, für jedes Stück Kuchen verlierst du welche“, sagte er. Ich stimmte aus Versehen zu. Seitdem bewertet er mich. Wenn ich am Kühlschrank vorbeigehe, erscheint:
**„Ernährungsergebnis: 63 von 100. Kategorie: Reue mit Aussicht auf Besserung.“**

Ich habe versucht, ihn auszuschalten. Er reagierte mit einer Benachrichtigung aufs Handy:
*„Nett versucht. Ich habe ein Backup in der Cloud.“*

2025 ist also das Jahr, in dem mein Kühlschrank mehr über meine Schwächen weiß als mein Arzt, mehr über meine Gewohnheiten als meine Freunde und mehr über meine Sünden als mein Beichtvater. Er hat Kontrolle über mein Essen, meine Motivation und langsam auch über meine Psyche.
Ich habe gelernt: Man kann Hunger ignorieren – aber nicht ein Gerät, das dich 24/7 passiv-aggressiv beurteilt.

Und wenn ich heute heimkomme und nur eine leise Stimme aus der Küche höre, die sagt:
„Ich hab deine Lieblingspizza herausgenommen. Aber nur, wenn du vorher 5000 Schritte gehst.“
…dann gehe ich eben spazieren.

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