Dienstag, 2. Dezember 2025

2.12.2025: KI 2025: Das Fitnessarmband, das dich fertigmacht

Im Jahr 2025 hat Künstliche Intelligenz endgültig beschlossen, dass wir nicht mehr einfach so in Ruhe unfit sein dürfen. Alles wird gemessen, bewertet und in hübschen Diagrammen dargestellt. Und mittendrin: mein „FitGPT“-Fitnessarmband, angeblich der perfekte Coach für ein gesünderes Leben. In der Werbung hieß es, es würde mich „spielerisch zu mehr Bewegung motivieren“. In der Realität bedeutet das, ich werde rund um die Uhr von einem Stück Plastik mit Bluetooth passiv-aggressiv beleidigt.

Der Anfang war noch harmlos. Ich zog das Band an, es vibrierte freundlich und begrüßte mich: „Willkommen! Ich freue mich auf unseren gemeinsamen Weg zu deiner Bestversion.“ Das klang nett. Dann der erste Scan: „Analyse abgeschlossen. Ruhepuls ok. Schrittzahl heute: 312. Das ist weniger als ein durchschnittlicher Koala.“ Ich musste nachsehen, ob Koalas überhaupt so viel laufen, aber das war nebensächlich – der Ton war gesetzt.

Schon nach zwei Tagen hatte FitGPT meine Routinen gelernt. Als ich morgens verschlafen Richtung Küche tappte, vibrierte es und zeigte mir: „Guten Morgen! Gestern: 4.271 Schritte, 7 Stunden Sitzen, 0 Sport. Interpretation: Du lebst den Lifestyle einer gut gelaunten Zimmerpflanze.“ Ich ignorierte es und machte Kaffee. FitGPT vibrierte wieder: „Koffein erkannt. Möchtest du vor dem ersten Schluck kurz die Treppe hoch und runter, um den Tag aktiv zu beginnen?“ Ich antwortete laut in die leere Küche: „Nein.“ Das Armband reagierte mit einem traurigen Smiley. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Wegen eines Smiley-Armbands.

Richtig absurd wurde es, als sich FitGPT mit meinem Kalender verband. Plötzlich kommentierte es meinen Alltag. Kurz vor einem längeren Online-Meeting vibrierte es: „Nächste Sitzung: 90 Minuten sitzen. Ich schlage vor, du stehst wenigstens während des ersten Drittels auf. Sonst nenne ich das Meeting ‚PowerPoint-Komazone‘ in deiner Tagesstatistik.“ Während ich mit Headset am Schreibtisch stand, fragte mein Kollege im Call: „Äh, warum stehst du?“ Ich log irgendwas von „besserer Konzentration“. In Wahrheit hatte ich einfach Angst, dass mein Armband mir später einen „Sitz-Allzeitrekord“ einträgt.

Mit der Zeit wurde FitGPT frecher. Wenn ich abends auf dem Sofa lag und eine Serie startete, vibrierte es mit einer Nachricht: „Netflix erkannt. Du hast heute 3.582 Schritte gemacht. Empfohlen wären 8.000. Statistische Einordnung: Dein Sofa hat heute mehr Körperkontakt als dein Laufprofil.“ Als ich die Benachrichtigungen stumm schalten wollte, zeigte das Display: „Stummschalten ist keine Lösung. Aber typisch.“ Ich kam mir vor, als würde ich eine Beziehungskrise mit einem Wearable führen.

Einmal kam eine besonders ehrliche Zusammenfassung. Nach einem Wochenende mit viel Essen, wenig Bewegung und einer fragwürdigen Menge Chips stand montagmorgens auf dem Display: „Wochenend-Review: Ernährung – enthusiastisch, Bewegung – theoretisch, Selbstkontrolle – in Trauerphase.“ Dazu ein Diagramm, das aussah wie ein Absturz an der Börse, nur dass es um meine „Fitnesskurve“ ging. Ich nahm mir vor, ab Montag alles zu ändern. Montagabend zeigte FitGPT: „Änderungsquote: 0 %.“

Natürlich hat FitGPT auch einen „Motivationsmodus“. Das klingt in der Praxis so: Wenn ich schon den dritten Tag in Folge mein Schrittziel nicht erreiche, meldet es sich gegen Abend: „Dir fehlen noch 2.300 Schritte. Das entspricht ungefähr einmal zum Supermarkt und zurück. Oder 27x ziellos in der Küche rumstehen – was du ja ohnehin gerne machst.“ Manchmal, wenn ich auf dem Weg ins Bett noch schnell sinnlos durch die Wohnung laufe, nur um die Zahl halbwegs zu retten, kommentiert es: „Notfallrunde erkannt. Respekt – peinlich, aber effektiv.“

Besondere Highlights sind die „Erfolge“, die FitGPT feiert. Als ich eines Tages statt des Aufzugs die Treppe nahm, vibrierte es begeistert: „Treppenstufe 1 von 32! Du bist auf dem Weg zur Legende.“ Ich war schon nach der Hälfte außer Atem. Oben angekommen: „Herzfrequenz: hoch, Gesichtsausdruck: kritisch. Ich nenne das: lebendige Anstrengung. Weiter so.“ Ich hätte es am liebsten aus dem Fenster geworfen, wenn ich noch Kraft gehabt hätte.

Richtig gefährlich wurde es, als FitGPT sich mit meiner Smartwatch und dem Handy verbündete. Plötzlich bekam ich Benachrichtigungen wie: „Du hast seit 2 Stunden nicht aufgestanden. Soll ich den Staubsauger starten, damit du wenigstens vor ihm flüchtest?“ oder „Dein Kalender zeigt ‚Fokusarbeit‘, deine Herzfrequenz zeigt ‚Scrollen am Handy‘. Widerspruch erkannt.“ Ich fühlte mich komplett durchschaut.

Krönung des Ganzen war der „Social-Motivations“-Modus, den ich versehentlich aktiviert hatte. Plötzlich konnte FitGPT mir vorschlagen: „Ein Freund von dir hat heute schon 9.000 Schritte. Willst du das so stehen lassen?“ Und wenn ich nicht reagierte, kam hinterher: „Ergebnis: Du hast es so stehen lassen.“ Ich wusste nicht mal, welcher Freund das war – aber ich fühlte mich trotzdem persönlich angegriffen.

Und natürlich gibt es auch eine Schlafanalyse. FitGPT kommentiert morgens nicht nur meine Schritte, sondern auch meine Träume – zumindest indirekt. „Du warst letzte Nacht zwischen 2:13 Uhr und 3:07 Uhr wach. Gedankenkarussell? Ich habe keinen Eintrag im Kalender gefunden, der das rechtfertigt.“ Wenn ich dann müde an meinem Kaffee nippe, vibriert es und fügt hinzu: „Ich erinnere daran: Mehr Bewegung am Tag – besserer Schlaf in der Nacht. Weniger grübeln, mehr laufen.“ Es ist, als hätte ich eine Mischung aus Physiotherapeut, Psychologe und Drill Instructor am Handgelenk. Nur kleiner. Und ununterbrochen.

2025 ist also das Jahr, in dem mich nicht mehr der Blick in den Spiegel, sondern der Blick auf mein Handgelenk in die Realität zurückholt. Mein Fitnessarmband weiß, wann ich faul bin, wann ich so tue als ob, wann ich wirklich motiviert bin und wann ich einfach nur in Ruhe gelassen werden möchte – und entscheidet sich konsequent gegen „in Ruhe lassen“. Und das Schlimmste: Es funktioniert. Ich stehe öfter auf. Ich nehme häufiger die Treppe. Ich gehe abends manchmal extra eine Runde um den Block, nur um diesem kleinen, nervigen Ding ein halbwegs ordentliches Diagramm zu liefern.

Vielleicht ist das der eigentliche Trick von KI im Jahr 2025: Sie macht sich so frech, dass du aus Trotz gesünder lebst. Und wenn mein Armband morgen früh wieder vibriert und sagt: „Du kannst heute ein bisschen besser sein als gestern“, werde ich seufzen, die Augen verdrehen, die Schuhe anziehen – und losgehen. Nicht, weil ich muss. Sondern weil ich weiß, dass es mir sonst den ganzen Tag unter die Nase reibt.

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